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Geschichte

Die Geschichte der AV Germania

 

Im Folgenden ist die wechselvolle Entwicklung vom Chemischen Verein bis zur Freien Akademischen Verbindung Germania mit den wichtigsten Höhen und Tiefen unserer Verbindungsgeschichte skizziert und in einzelnen Zeitabschnitten behandelt.


Inhalt
Kurzgefasste Geschichte der Akademischen Verbindung Germania

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Der Gründungsakt

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Die Chemische Gesellschaft 1850 (1871) - 1909

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Die Chemiker-Verbindung Germania: 1910 - 1919

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Akademische Verbindung Germania im RVSV: 1919 - 1930

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Landsmannschaft Germania im LC: 1930 - 1935

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Die Kameradschaft “Horst Wessel” im NSDStB 1936 - 1939

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Der akademische Club Benzolring: 1947 - 1950

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Die Akademische Verbindung Germania im CC: 1950 - 1952

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Freie Akademische Verbindung Germania ab 1952

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Kurzgefasste Geschichte der Akademischen Verbindung Germania
Die Geschichte der Akademischen Verbindung Germania ist eng verbunden mit der heutigen “Universität Stuttgart”, welche bis zum Jahre 1968 den Namen “Technische Hochschule Stuttgart” trug. Diese wiederum ging hervor aus der 1829 gegründeten “Gewerbeschule”, die 1840 die Bezeichnung “Polytechnische Schule (Polytechnikum)” erhielt.
Wenngleich studentische Verbindungen damals noch streng verboten waren, so bestanden um diese Zeit trotzdem bereits zwei Gesellschaften, welche sich nach ihren Kneipabenden “Dienstagia” und “Freitagia” betitelten. Erstere nannte sich später “Alemania” und nahm corpsähnlichen Charakter an, während bei letzterer Vereinigung mit mehr burschenschaftlichem Charakter erstmals in Stuttgart der Name “Germania” auftauchte.
Alemania führte die Farben blau-weiß-schwarz, Germania die Farben schwarz-rot-gold. Dass zwischen der letztgenannten und der heutigen Germania irgendwelche Zusammenhänge bestehen, ist kaum anzunehmen, jedenfalls nicht nachweisbar.
Beide Gesellschaften sind Mitte der fünfziger Jahre unter dem Druck der Zeit und der Polizeiwillkür aufgelöst worden. Dennoch wurden gerade in diesen Jahren die ersten wirklichen studentischen Verbindungen gegründet, nämlich Stauffia 1847, Teutonia 1852 und Rhenania 1858. Direkt nach dem Zusammenschluss dieser sich inzwischen Corps nennenden Verbindungen zum Stuttgarter S.C. im Jahre 1862 entstanden in rascher Folge weitere Gesellschaften: Ghibellinia 1862, Sonderbund 1864, Saxonia 1865 und Alemannia 1866.

Der Gründungsakt
Man schreibt das Jahr 1871, das Jahr der Gründung des deutschen Kaiserreiches. Am 18. Januar ist die politische Einigung Deutschlands unter der schwarz-weiß-roten Flagge vollzogen worden und überall ist jener Optimismus, fast könnte man sagen: jene Euphorie spürbar, die für die soziologische, wirtschaftliche und technisch-kulturelle Entwicklung der folgenden vier Jahrzehnte bestimmend werden sollte. Ein 3/4-Jahrhundert innerer Zerrissenheit ist überwunden! Nach dem Ende des “Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation” war Deutschland durch die aufreibenden Auseinandersetzungen mit dem Frankreich Napoleons I. und als Folge des preußisch-österreichischen Dualismus in eine Vielzahl kleiner Staaten und privilegierter Gebiete zersplittert worden. Unerträgliche Spannungen hatten jede Entwicklung gehemmt und Zwangszustände geschaffen, die sich erst im Verlauf des deutsch-französischen Krieges 1870/71 und vor allem durch die Reichsgründung wieder lösten.
Auch für die Korporationen an den deutschen Hochschulen brach eine Blütezeit an, die stärker als je zuvor durch den nationalen Gedanken und starke vaterländische Aspekte geprägt war. Die damals in Stuttgart - einer Kleinstadt mit etwa 60 000 Einwohnern - vorhandene “Polytechnische Schule” hatte zunächst die Bildung jeglicher Vereinigungen untersagt. Erst etwa 1860 wurde die bestehende “Disziplinarordnung” dahingehend geändert, dass nunmehr den Studierenden der Technischen Abteilung “freigegeben war, unter sich Gesellschaften (Vereine) zu wissenschaftlichen, sittlichen und geselligen Zwecken zu bilden und Abzeichen hierfür sich beizulegen”.
Am ersten Freitag im November des Jahres 1871 trafen sich 12 Professoren und Assistenten der Fachrichtung Chemie und Pharmazie zu einer Metzelsuppe in der “Glocke”, einem damals gut renommierten Lokal der heutigen Stuttgarter Altstadt. Es waren die Herren Professor Dr. Carl v. Hell, Dr. A. Daigeler, Dr. A. Geyer, Dr. Ludwig Dulk, Dr. Viktor v. Meyer, Emil Starz und Dr. Otto Stüber. Die restlichen Namen sind nicht bekannt.
Im vorgerückten, gemütlichen Teil des Abends wurde die Gründung eines “Chemischen Vereins” beschlossen und damit jener Akt vollzogen, den wir Germanen als die Geburtsstunde unseres Bundes bezeichnen.

Die Chemische Gesellschaft 1850 (1871) - 1909
Der ursprüngliche Geburtstag der “Chemischen Gesellschaft” fällt wohl in die Zeit um 1850. Diese hatte zunächst gar nichts Verbindungsartiges an sich, sondern setzte sich aus lauter Chemikern zusammen, die sich vielleicht wöchentlich einmal zwanglos zu wissenschaftlicher Aussprache im Hörsaal trafen. Diese Leute, jung oder alt, gehörten entweder gar keiner Verbindung an oder irgendeiner beliebigen an der Schule.
Schon im Oktober 1863 wurde die “Chemische Gesellschaft” in einen “Chemischen Leseverein” und am 3. November 1871 - wie schon erwähnt - in den eigentlichen “Chemischen Verein” umbenannt; dieser ging im Sommer 1875 wegen Mitgliedermangels ein, erstand aber, nachdem die “Polytechnische Schule” zur “Technischen Hochschule” geworden war, am 26. April 1877 als “Chemische Gesellschaft” neu.
Zuvor - d.h. im Dezember 1874 - hatte sich der “Chemische Verein” mit dem “Akademischen Liederkranz”, den “Architektenverein”, der “Hütte” und dem “Ingenieurverein” schon zum “Polytechnikerverein” zusammengeschlossen.
Die “Chemische Gesellschaft” war also ein wissenschaftlicher Fachverein und als solcher eine lose Vereinigung von Studierenden der Chemie und der Pharmazie. Die Versammlungen der “Chemischen Gesellschaft” fanden allwöchentlich statt, wobei zuerst ein wissenschaftlicher Vortrag gehalten wurde, dem sich dann eine fröhliche Kneipe anschloß. Die Vorträge befassten sich in der Regel mit Themen aus der Chemie, Physik, Botanik, Geologie, Mineralogie und dem Gesamtgebiet der Pharmazie.
Besonders gefördert wurde die “Chemische Gesellschaft” in dieser Zeit von den beiden Stuttgarter Rektoren Professor Dr. Carl v. Hell und Prof. Dr. Fünfstück, sowie von den Professoren Dr. Endriss und Dr. Häussermann. V. Hell, Fünfstück und Endriss waren Ehrenmitglieder der Gesellschaft.
Ebenfalls wieder wegen Fehlens von Mitgliedern musste die Chemische Gesellschaft jedoch vom S.S. 1882 bis 4. Mai 1885 und vom S.S. 1896 bis zum S.S. 1897 suspendieren.
Im Laufe der Jahre bildet sich bei der “Chemischen Gesellschaft” mehr und mehr ein verbindungsmäßiger Charakter aus, wobei jedoch noch das Fachprinzip bestimmend war. Nachdem es aber immer wieder an Zuwachs aus Chemiker- und Pharmazeuten-Kreisen mangelte, konnte und wollte man sich einer fortschrittlichen Entwicklung, nämlich der Aufnahme von Angehörigen aus anderen Fakultäten nicht mehr länger verschließen und gab das Fachprinzip auf. So lautete der § 1 der am 20. Juli 1913 beschlossenen Satzung: “Die Chemiker-Verbindung Germania an der Kgl. Technischen Hochschule zu Stuttgart, gegründet den 3. November 1871, hat den Zweck, ein enges Freundschaftsverhältnis zwischen den Bundesbrüdern herbeizuführen und zu unterhalten, sowie durch gegenseitige Anregung das Studium der Chemie und verwandter Zweige der Naturwissenschaften zu fördern.”
Mit der Aufgabe des Fachprinzips verbunden war natürlich der Austritt aus dem von den oben erwähnten Vereinigungen gegründeten “Verband der Fachvereine (VdF)”, dem man von 1902 - 1910 angehört hatte.

Die Chemiker-Verbindung Germania: 1910 - 1919
Um zu verhindern, dass nach Beendigung des Studiums die ehemaligen Mitglieder der Chemischen Gesellschaft in alle Winde auseinanderliefen, wurde schon im Jahre 1899 ein Alt-Herren-Verband gegründet. Dieser Schritt trug wohl auch stark dazu bei, die Entwicklung auf eine richtige Korporation hin zu beschleunigen.
Bereits im Jahre 1910 tat man sich deshalb als “Chemiker- Verbindung Germania” auf. Diese nahm 1912 den Grundsatz der bedingten Genugtuung an und es wurden die ersten Schlägermensuren gefochten, wenn auch vorerst noch auf fremde Waffen. Aber schon im Juni 1913 trug die Germania zum Stiftungsfest ein Fest-Couleur in den damaligen Reichsfarben schwarz-weiß-rot

Akademische Verbindung Germania im RVSV: 1919 - 1930
Es kam der 1. Weltkrieg 1914-18, welcher zwar auch der Germania einen Blutzoll abverlangte, jedoch das alte Zusammengehörigkeitsgefühl nicht zum Erlöschen brachte.
Als nach Kriegsende das Verbindungsleben allenthalben wieder aufblühte, ließ man die fachliche Betonung im Namen endgültig fallen und schuf 1919 die “Akademische Verbindung Germania”. Zugleich legte sich diese eigene Waffen zu und trat dem Stuttgarter Waffenring bei. Das Leben in der Verbindung war zunächst allerdings schwach, da es galt, die Nachwirkungen des Krieges zu überwinden. Die aus dem Feld zurückgekehrten Bundesbrüder gehörten nun schon zu den älteren und es fehlte an junger Mannschaft. Um den als notwendig angesehenen Anschluss an einen Verband zu finden, trat Germania 1920 in den “Rothenburger Verband Schwarzer schlagender Verbindungen (RVSV)” ein und wurde dort 1921 endgültig aufgenommen.
Dieser Verband entstand nach dem ersten Weltkrieg durch den Zusammenschluss einer Anzahl von Korporationen, die auf dem Boden des schwarzen Prinzips als Hauptgrundsatz, des Prinzips der unbedingten Satisfaktion, des Arischen und des Maturitätsprinzips standen und die darüber hinaus keine reinen Fachkorporationen mehr waren.
Seine Gründung vollzog sich 1919 auf dem Haus der Stuttgarter Verbindung “Gaudeamus”. Der Verband umfasste damals 18 Korporationen mit ca. 3200 Mitgliedern. Nach Beitritt der Germanen gab es also in Stuttgarter zwei Bünder im RVSV. Farben wurden nur in den Fahnen und im Chargenwichs gezeigt.
Bei späteren Versuchen, eine Dachorganisation für alle schwarzen Verbände zu schaffen, war keine Einigung zu erzielen. Manche Verbindungen traten aus und so zerfiel der RVSV langsam in Uneinigkeit und wurde am 3. Oktober 1933 aufgelöst.

Landsmannschaft Germania im LC: 1930 - 1935
Die AV Germania hatte diese Entwicklung vorausgesehen und war schon 1930 aus dem RVSV ausgetreten. Doch damit gab es neue Sorgen um die weitere Zukunft, denn allein konnte sie schwer weiterbestehen. Günstige Aussichten schienen in der “Deutschen Landsmannschaft” gegeben zu sein.
An der Landwirtschaftlichen Hochschule in Stuttgart-Hohenheim war am 17. November 1919 die “Sängerschaft Teutonia” mit den Farben violett-weiß-grün gegründet worden. Bald nach der Gründung wurden Beziehungen angeknüpft mit dem Weimarer Verband Deutscher Sängerschaften (VDS).
1920 wurde Teutonja in diesem Verband zugelassen und trat in ein Paukverhältnis mit der “Wehrschaft Hohenheimia” ein. Wegen der Neigung zur Bestimmungsmensur wurden jedoch die Beziehungen zum VDS immer lockerer, die Sängerschaft vertagte sich am 18. April 1921, um kurz darauf mit gleichem Namen und Farben als “Freie Landsmannschaft Teutonia” wieder aufzumachen.
Mit dem Stuttgarter LC wurde ein Paukverhältnis abgeschlossen und am 15. Mai 1921 war Teutonia laut Kongreßbeschluß durch drei Burschen der “Landsmannschaft Württembergia” unter dem Namen “Frankonia” mit den alten Farben und Zirkel als Landsmannschaft in die DL aufgenommen. 1927 musste sie sich aber suspendieren und trat zu Beginn des SS 1930 zwecks Verschmelzung zu einer gemeinsamen Landsmannschaft in Verhandlungen mit der “Akademischen Verbindung Germania” ein. Dass diese Verhandlungen schwierig und zeitaufwendig waren, wird den älteren Mitgliedern unseres Bundes noch erinnerlich sein.
Um aber auch den nach 1930 eingetretenen Bundesbrüdern einen Eindruck von der Zähigkeit des damaligen Ringens zu geben, wird das Protokoll über den s.Zt. entscheidenden Generalkonvent am 9.3.193 zum nachlesen empfohlen, der im Anhang der gedruckten Chronik zu finden ist. Es zeigt u.a. überraschende Parallelen zu jenen Diskussionen, die in den Jahren 1960 bis 67 über einen eventuellen Eintritt in den Wernigeroder Schwarzen Verband (WSV) bzw. Schwarzburgbund (SB) geführt wurden. Am 30. April 1930 wurde Frankonia durch drei Burschen des Stuttgarter LC mit den alten Farben violett-weiß-grün und grüner Mütze unter dem Namen Germania an der Technischen Hochschule Stuttgart aufgetan und auf dem Pfingstkongreß 1930 der DL in Cobur die endgültige Verschmelzung mit der früheren AVG als “Landsmannschaft Germania” genehmigt.
Auch diese Verhandlungen waren langwierig und nicht ganz einfach, gab es an der TH doch schon drei Landsmannschaften: Borussia, Markomannia und Saxonia. Aber man war bei Germania froh, endlich als verhältnismäßig starker Bund unter Dach und Fach zu sein. Der Altherrenverband bildete, nachdem seine Mitglieder mehr und mehr über Württemberg hinaus verzogen waren, Ortsgruppen, so in Berlin, Nürnberg u.a. Städten.
Nun war natürlich die Frage eines eigenen Hauses wieder besonders brennend geworden. Schon im Jahre 1928 war unter der Vorstandschaft von AH Dr. Fritz Wider der Verein “Germanenhaus” gegründet worden. Es wurde eifrig geworben und gesammelt und manche Pläne wurden geschmiedet. Schließlich entschloss man sich 1931 zum Kauf eines zwar teuren, aber günstig gelegenen und sehr schönen Hauses in der Lenzhalde 21.
Es wurde durch Um- und Einbauten für unsere Verhältnisse zweckmäßig ausgestattet. Im Untergeschoss war ein Paukraum, im Erdgeschoss lagen Kneip- und Conventsräume, im ersten Obergeschoss Wohnräume – zum Teil vermietet - und Zimmer für unsere Studierenden, im zweiten Obergeschoss befand sich die Wohnung des Hausverwalters. Ein schöner Garten umgab das Ganze.
Der Couleurbetrieb dort nahm einen erfreulichen Aufschwung. Besonders unsere älteren Bundesschwestern nahmen sich der Ausschmückung des Hauses und der Unterstützung unserer Jugend an, indem sie für diese Mittagstische, Teenachmittage u.ä. bereiteten.
Ein weiterer Markstein dieser Zeitperiode war der Beschluss der Aktivitas, ab SS 1933 Voll-Couleur zu tragen und zwar weiße Mützen mit den Farben schwarz-weiß-rot, Fuchsenfarben weiß-rot-weiß, jeweils mit goldener Perkussion.

Die Kameradschaft “Horst Wessel” im NSDStB 1936 - 1939
Als im Herbst 1935 der Gedanke der Korporationskameradschaften greifbare Gestalt annahm, blieben auch die 4 Stuttgarter Landsmannschaften Borussia, Germania, Markomannia und Saxonia nicht untätig. Während Borussia eine eigene Kameradschaft zu bilden versuchte, schufen Saxonia und Germania durch ihre Verschmelzung eine tragfähige und kapitalkräftige Altherrenschaft für eine Kameradschaft des nationalsozialistischen deutschen Studentenbunds (NSDStB).
Aber im Frühjahr 1936 wurde die Auflösung aller derartigen Kameradschaften verfügt. Eine Verbindung mit der HJ-Kameradschaft, die auf dem Saxonenhaus Quartier bezogen hatte, kam nicht zustande, da die Auffassungen über die Erziehung des studentischen Nachwuchses zu weit auseinandergingen.
Inzwischen hatte, zu Beginn des SS 1936, auf Anregung des damaligen Studentenführers Stender, Hauptsturmführer Vollmer im Studentensturm 40/119 der SA die ersten bis dritten Semester zusammengefasst, um mit ihnen den Grundstock für eine Kameradschaft zu bilden. Dieser Kameradschaft wurde mietweise das Haus der Landsmannschaft Saxonia überlassen. Ihr Name war SA-Kameradschaft des Sturmes 40/119. Die Hauptarbeit bestand in der politischen Schulung, Pflege des Sports in jeder Form und der Kameradschaftlichkeit, gemeinsam mit ihrem SA-Sturm. Im SS 1937 nahm die Kameradschaft auf Vorschlag von SA-Hauptsturmführer Vollmer den Namen “Horst Wessel” an, da sie aus einem Sturm der SA hervorgegangen war und auch engste Fühlung mit der SA beibehalten hatte.
Eine Verbindung mit dem AHV Saxonia bestand zunächst nicht. Nach erneuter Werbung für die Bildung von Altherrenschaften im Frühjahr 1937 und nach der Ernennung eines neuen Führers des NSDStB waren die 4 AH-Verbände der Stuttgarter Landsmannschaften zu weiterer Mitarbeit bereit. Nach entsprechenden Vorarbeiten traten die 4 AH-Vorstände, Gabriel / Borussia, Dr. Wider / Germania, Spaney / Markomannia und Österle / Saxonia mit dem Vorsitzenden des Hausbauvereins Alter Borussen, Roller, zu abschließender Beratung zusammen. Man war sich darüber einig, dass zur Vermeidung jeder Zeitverzettelung die Bildung nur einer Altherrenschaft aus allen 4 Landsmannschaften in Frage kommen konnte. Lediglich die Wahl des Hauses machte einiges Kopfzerbrechen. Man entschied sich für das moderne, schwer verkäufliche Haus von Borussia. Die Häuser der anderen Landsmannschaften wurden verkauft.
Am 9. Oktober 1937, dem Geburtstage Horst Wessels, stieg nach feierlicher Übergabe an die Kameradschaft, die Fahne des Studentenbundes auf dem “Horst-Wessel”-Haus der Stuttgarter Landsmannschaften hoch. Der Kameradschaftsbetrieb setzte nun voll ein. Am 23. Januar 1939 erfolgte die Verleihung des Namens “Horst Wessel” an die Kameradschaft anlässlich eines Standortappells zur Erinnerung an das 10jährige Bestehen des NSDStB. Die Mitgliederliste vom August 1939 enthält die Namen von 35 Jungkameraden (erste bis dritte Semester), 42 Altkameraden und 367 Alten Herren, davon waren 59 Germanen.
Zur Stärkung des Zusammenhalts und zur Förderung des Interesses der Alten Herren stellte sich im Jahre 1939 die Kamderadschaft die Aufgabe, folgende Sektionen zu bilden: - Sektion Mitteldeutschland - Sektion Berlin - Sektion Nordmark - Sektion Rheinland-Westfalen.

Der akademische Club Benzolring: 1947 - 1950
Als nach dem 2. Weltkrieg der Lehrbetrieb an den Universitäten wieder aufgenommen wurde, verging nur kurze Zeit, bis sich einzelne Studentengruppen zu Clubs zusammenschlossen. Einige dieser etwa 15 Stuttgarter Studentenclubs nahmen nach kurzer Zeit bereits wieder betontkorporativen Charakter an, indem sie Farben, Zirkel und Comment einführten. Manche wurden von Altherrenverbänden, die den Krieg überdauert hatten, übernommen, andere wiederum entwickelten sich selbständig zu heute noch bestehenden, angesehenen Korporationen.
Einer dieser Studentenclubs ging aus einer Arbeitsgemeinschaft innerhalb der chemischen Laboratorien der Universität hervor. Er nannte sich “Benzolring”. Sein Ziel war es, eine neue Form studentischen Zusammenlebens zu finden, wie dies auch in seiner Satzung zum Ausdruck kommt. Auf Grund dieser Satzung wurde der Akademische Club Benzolring vom Rektoramt der Technischen Hochschule Stuttgart am 28.6.1948 als studentischer Club zugelassen. Schon kurze Zeit später nahm er Fühlung mit dem Altherrenverband Germania auf, um die Basis für die Gründung einer Verbindung herzustellen. Durch mehrere Besprechungen führte diese erste Fühlungnahme schließlich am 27.9.1948 im Rahmen der Ermächtigung des Altherrenconvents vom 5.6.1948 zu einem vorläufigen Abkommen zwischen der Altherrenschaft Germania und dem Akademischen Club Benzolring, dessen Bewährung im Wintersemester 1948/49 erwartet wurde.
Das Ziel dieser Vereinbarung war der Zusammenschluss beider Vereinigungen zu Altherrenschaft und Aktivitas eines Akademischen Clubs. Die Altherrenschaft Germania förderte den Club junger Studenten, der seinen Namen in “Akademischer Club Germania” ändern sollte. Die Bezeichnung Club wurde aus Zweckmäßigkeitsgründen zunächst beibehalten. Die bisherigen Mitglieder des Benzolringes waren durchweg Kriegsteilnehmer und dadurch reifer in Benehmen, Charakter und Weltanschauung. Die Bewährungsprobe während des Winters verlief zufriedenstellend und so ging man auf dem begonnenen Wege weiter, Altherrenschaft und Aktivitas zu einem neuen Bund zusammenzuschließen, was im Sommersemester 1950 endgültig bestätigt wurde.

Die Akademische Verbindung Germania im CC: 1950 - 1952
Der Altherrenverband blieb auch nach dem Kriege ein Mitglied der Deutschen Landsmannschaft. Dieser Status wurde auch nicht durch die Gründung einer neuen Aktivitas verändert. Die Deutsche Landsmannschaft schloss sich an Pfingsten 1951 mit der Deutschen Turnerschaft zum Coburger Convent zusammen. Die Satzung des Coburger Convents enthielt immer noch die scharfen Mensurbestimmungen ihrer Gründungsverbände, die allerdings bis zum Zusammenschluss nur auf freiwilliger Basis angewendet wurden.
Anlässlich des Pfingstkongresses 1952 wurde jedoch die obligatorische Bestimmungsmensur gefordert. Verbindungen, die stattdessen die Verabredungsmensur einführen wollten, wurden mit großer Mehrheit überstimmt, unter ihnen auch die AV Germania, die sich bei diesem Votum allerdings der Stimme enthielt. Da die Bestimmungsmensur nach den Grundsätzen des CC Teil der Verbindungssatzung sein musste, stimmte der BC Germania am 18.6.52 darüber ab, ob dieser Punkt in die Satzung aufgenommen werden Sollte. Der Antrag wurde mit der notwendigen Mehrheit abgelehnt. Als dieser Beschluss der Vorsitzenden des CC in gleichlautenden Schreiben sowohl von der Aktivitas als auch vom Altherrenverband mitgeteilt worden war, wurde die Aktivitas der AV Germania wegen Nichtachtung der Satzung des CC's von ihrer Verbandszugehörigkeit suspendiert.
Für den Altherrenverband wäre damit ein Verbleiben im CC nur möglich gewesen, wenn er sich von seiner Aktivitas getrennt hätte. Der Altherrenconvent anlässlich des 81. Stiftungsfestes bekannte sich jedoch zur Einstellung der Aktivitas und trat seinerseits aus dem CC aus. Da die in dieser Angelegenheit gefassten Beschlüsse ebenso einschneidend wie richtungsweisend für die weitere Entwicklung unseres Bundes waren, wird für Interessierte empfohlen die damals mit dem CC geführten Korrespondenz in der gedruckten Chronik nachzulesen.

Freie Akademische Verbindung Germania ab 1952
Die neuerstandene “Akademische Verbindung Germania” war damit bereits wiederum freie Verbindung ohne einen Verbandsanschluss und ist es bis zum heutigen Tage geblieben, obwohl die Bemühungen eines solchen Anschlusses immer wieder zur Diskussion gestellt wurden.
Einen Verband von größerem Gewicht, nicht schwarz, sondern farbentragend, aber ohne Mensurzwang, gab es damals wie heute nicht; er wird auch schwerlich erstehen, so sehr wir das wünschen. Ein “Ring” mit wenigen Bändern, die in derselben Lage sind wie wir, bringt kaum Vorteile, sondern eher Nachteile durch erhöhte Verpflichtungen. Es wird sich also in dieser Beziehung in absehbarer Zeit kaum etwas ändern!
Wie bereits im Jahre 1930 nach dem Austritt aus dem RVSV, so trat auch jetzt wieder in verstärktem Maße die Frage nach einem eigenen Heim in den Vordergrund. Die Aktivitas wies darauf hin, dass der Fortbestand der AV Germania sehr wesentlich von der baldigen Lösung dieses Problems abhänge, eine Feststellung, die der Altherrenverband als durchaus begründet anerkannte.
An ein eigenes Haus war bei der damaligen Finanzlage des Bundes - sieben Jahre nach Kriegsschluss - natürlich nicht zu denken. Dennoch wurde wieder ein Hausbauverein unter dem Vorsitz des Ehrenmitgliedes Dr. F. Lieberwirth ins Leben gerufen, der zunächst alle Möglichkeiten diskutierte. Das Heim sollte zur Hochschule günstig liegen, es musste für uns realisierbar sein und es hätte, außer den Bedürfnissen für den Bund selbst, wenigstens für einige unserer Bundesbrüder Wohnmöglichkeit bieten müssen.
Verschiedene Vorschläge mit Ruinengrundstücken und darauf im Eigenbau zu erstellenden Baracken erwiesen sich als undurchführbar und außerdem als viel zu teuer für ein zeitlich begrenztes Provisorium. Nach vielen zeitaufwendigen Beratungen fand man mit Unterstützung unseres Alten Herrn und Ehrenmitglieds Dr. Gustav Endress eine wenigstens gangbare Lösung: Auf seinem Grund und Boden, Hohe Straße 12, wurde beim Wiederaufbau Stuttgarts ein größeres Geschäfts- und Wohnhaus errichtet, in dem die AV Germania ein Stockwerkseigentum preisgünstig erwerben konnte.
Es liegt im 2. Obergeschoss und umfasst eine große Wohnung mit allen erforderlichen Nebenräumen, Diele, Küche, Bad etc. Zwei Zwischenwände von ursprünglich geplanten drei Zimmern an der Straßenfront wurden herausgenommen, so dass ein Kneipsaal entstand, der zu einem Drittel durch eine Faltwand abgeteilt werden und als Conventszimmer dienen kann. Im gesamten Raum können bis zu sechzig Bundesbrüder Platz finden. Das vierte und fünfte Zimmer, ein Doppel- und ein Einzelzimmer, dienen drei jungen Bundesbrüdern als Wohnheim. Die gesamte Einrichtung wurde durch Stiftungen, ein Teil auch als Leihgabe der Brauerei Leicht AG Vaihingen zur Verfügung gestellt.
Nach großen Anstrengungen konnte dieses neue Germanenheim am 22. November 1958 durch den damaligen AH-Vorsitzenden Erich Lutz feierlich unter großer Beteiligung und Begeisterung eingeweiht werden. Es ist im Laufe der letzten Zeit ausgeschmückt und vervollständigt worden und hat sich für uns in jeder Hinsicht bewährt. Zwar können wir dort nur kleinere Veranstaltungen abziehen, aber wir hatten wieder ein Eigentum, in dem wir uns wohlfühlten und das uns als Kristallisationspunkt Gewähr dafür bot, dass der Bund sich weiterentwickeln konnte.
Es ist uns in den vergangenen Jahren lieb und wert geworden. Mit dieser Feststellung mündet die vorliegende Chronik der AV Germania langsam in die Gegenwart ein.
In dem zuletzt durchschrittenen Zeitraum haben sich keine größeren Ereignisse mehr abgespielt. Das Leben im Bunde lief weitgehend in den altgewohnten Bahnen, wohl in einem gewissen Auf und Ab, vor allem was die Zahlen der neu hinzukommenden Studierenden betrifft. Nun ist im Vergleich zu manchen anderen Verbindungen - die Gesamtzahl der alten und jungen Mitglieder bei Germania ja noch nie sehr stark gewesen und es ließ sich trotzdem ein geregelter Korporationsbetrieb durchziehen. Vielleicht sollten abschließend noch einige Worte zur gegenwärtigen Situation an den Deutschen Hohen Schulen gesagt werden, die natürlich auch Auswirkungen auf das Leben in den studentischen Corporationen haben.
Am 19.3.68 trat in Baden-Württemberg das neue Hochschulgesetz in Kraft, das die Grundlage einer weitgehenden Umorganisation von Lehre, Forschung und Verwaltung an den Hochschulen und Universitäten des Landes bildete. Auf der Basis von sogen. Grundordnungen, die die einzelnen Hochschulen sich innerhalb eines Jahres selbst geben mussten, wurde eine weitgehende Demokratisierung und Dezentralisierung des bisherigen Systems gesetzlich verankert. In allen Entscheidungsgremien sind außer den Professoren auch Assistenten und Studenten vertreten, in den sogen. Studienkommissionen ist sogar die Drittelsparität aller drei Gruppen verwirklicht. Sowohl bei der Beratung als auch nach Inkrafttreten der Grundordnung war - abgesehen von der Tätigkeit der APO (Außerparlamentarische Opposition)- allerorten eine turbulente hochschulpolitische Betätigung der einzelnen Gruppen feststellbar. Wahlen für die verschiedenen Kollegialgremien mussten durchgeführt und ihre Kompetenzen - obwohl in der GO festgelegt - gegeneinander abgegrenzt werden.
Im Zuge der allgemeinen Reformbestrebungen wurden auch eine Reihe traditioneller Bräuche abgeschafft, z.B. die bislang noch zu feierlichen Anlässen von den Hochschullehrern getragenen Talare, die feierliche Rektoratsübergabe, die Anrede “Magnifizenz” für den Rektor bzw. “Spectabilität” für die Dekane.
Es kann nicht ausbleiben, dass sich diese Reformen auch in den Corporationen der Hochschulen auswirken. Die AV Germania hat in diesen Fragen bisher noch abwartende Haltung eingenommen, wenngleich für den AHC anlässlich des 100. Stiftungsfestes eine Satzungsänderungsantrag der Aktivitas vorlag, der z.B. die Umbenennung des Fuxmajors in XXXX, der Füxe selbst in Jungmitglieder u.a.m. vorschlug.
Dennoch herrscht in unserem Bunde die Überzeugung vor, dass den studentischen Korporationen auch nach den Reformen im Hochschulbereich ihre bisherigen Aufgaben verbleiben, die - auf den kürzesten Nenner gebracht - darin bestehen, aus dem Studenten von heute den verantwortungsbewußten, aber gesellschaftspolitisch kritischen Staatsbürger von morgen zu formen.
Wir sehen optimistisch in die Zukunft und sind der Überzeugung, dass sich aus dem derzeitigen Schmelzzustand Formen herauskristallisieren werden, die nicht nur den Vorstellungen der studierenden aktiven Mitglieder unseres Bundes entsprechen, sondern auch die ältere Generation weiterhin mit ihrer Germania verbunden sein lassen können.
Dies ist auch soweit gelungen, so dass sich die Mitglieder der Akademische Verbindung Germania 1993 zu einer neuen Satzung und Geschäftsordnung entschließen konnte. Das hatte sogar die Auswirkung, dass die AVG seit 15. Februar 1994 den Status eines eingetragenen Vereins erhielt. So mit ist auch eindeutig geklärt, dass die AVG ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke verfolgt und die studentische Jugend, während und nach dem Studium fördert.
2020 wurde der Kauf einer weiteren Wohnung beschlossen, diese Wohnung liegt ein Stockwerk unter den anderen Wohnungen. Die ersten Studenten zogen 2021 in die neue Wohnung.
Zu unserem 150-jährigen Jubiläum im Jahre 2021 wurden unser Farben in Gold-Weiß-Rot geändert. Das Gold, passend zum Jubiläum aber auch zur deutschen Flagge, drückt unsere Zustimmung zur deutschen Demokratie aus, das Weiß und das Rot von unseren bisherigen Farben wurde beibehalten.

 
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Zuletzt geändert am 22.7.2021 von JG basierend auf original von MH